Studie über die Anwendung von LIGASANO® als Primärwundverband bei

  diabetischen
  Fussläsionen

Die Ergebnisse sind aus medizinischer, menschlicher und auch ökonomischer Sicht sehr ermutigend.

Von Dr. med. Carola Zemlin, Internistin/Diabetologin, Wanzleben, BRD

 

Das Diabetes-Fuss-Syndrom gehört zweifellos zu den folgenschwersten Diabeteskomplikationen: Hohe Amputationsraten, hohe Kosten für die Krankenkassen und erhöhte Zuzahlungen für die Betroffenen,  lange Krankenhausaufenthalte, Arbeitsausfallzeiten, und/oder Frühinvalidität, Angewiesensein auf Fremdhilfe, Immobilität, eingeschränkte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, Frustration, Hoffnungslosigkeit -  all das assoziieren wir zunächst mit der Problematik "diabetischer Fuss". Inzwischen hat jedoch infolge von publizierten Erfahrungen von Diabetes-Fuss-Ambulanzen in den USA, in England und Skandinavien, auch in  Deutschland ein Umdenken, ein Paradigmenwechsel eingesetzt.

Dabei zeigte sich, dass interdisziplinäre Betreuungskonzepte, strukturierte Diagnostik und Therapie sowie "life-long foot care" bei Risikopatient(inn)en die eingangs geschilderte Situation signifikant verbessern können.  Dabei gilt es, obsolete Lehrmeinungen und Klischees ("Diabetische Füße heilen nicht oder schlecht, daher am besten gleich hoch amputieren") ebenso über Bord zu werfen wie ungezielte, teure(!) Polypragmasien der  lokalen Wundbehandlung und inadäquate Orthopädie-Schuhtechnik.

Und es gilt andererseits, ständig nach effektiven, biologisch verträglichen und gleichzeitig kostengünstigen Wundauflagen zu suchen, um eine möglichst hohe Anzahl von Patienten ohne hohen Kostendruck versorgen zu  können. Der folgende Beitrag beschäftigt sich im weitesten Sinne mit der Wundbehandlung bei Patienten mit DFS, im engeren Sinne mit der Anwendung von LIGASANO®-Schaumstoff bei Wunden bzw.  Wundheilungsstörungen o.g. Patienten.


1. Patienten und Methoden:

Im Zeitraum von März 1998 bis Januar 2000 wurden 15 Patienten (12 männlich, 3 weiblich) im Durchschnittsalter von 54 Jahren behandelt. Erfasst wurden:

  • Art der Läsion (Wundheilungsstörungen nach Amputation/Resektionen, Fersenulcera, Malum perforans, Wunden nach Sequesterdurchschnitt bei diabetischer Neuro-Osteo-Arthropathie = DNOAP (Syn. Charcot-Fuss)
  • Ausdehnung der Wunde (WAGNER-Stadien) und Wundphase
  • Klassifikation nach ARLT (A=pavK, B=Polyneuropathie, C=A+B=Mischtyp)
  • Dauer des Bestehens der Wunde
  • Methoden der Vorbehandlung
  • Krankenhaustage der Vorbehandlung (Krankenhäuser anonym)
  • stattgehabte Amputationen am gleichen und kontralateralen Bein
  • Krankenhaustage der aktuellen Behandlung
  • Methoden der aktuellen Behandlung
  • Zahl der ambulanten Konsultationen
  • Heilungsdauer unter der aktuellen Therapie
  • Verbandwechsel (wer und wie)

Neben tabellarischen Übersichten wurden detaillierte Fallbeschreibungen mit Fotodokumentationen über jeden behandelten Patienten angefertigt.


2. Ergebnisse und Zusammenfassung

Patientendaten / Vorgeschichte
Anzahl der Patienten 15
Alter der Patienten Durchschnittsalter 54 J (41-69)
Geschlecht der Patienten 12 männlich, 3 weiblich
Diabetes festgestellt seit: durchschnittlich 17 Jahren
Diabetes Typ: 5x Typ 1 <> 10x Typ 2
Amputationen vor Behandlungsbeginn: 3 Pat. mit Unterschenkelamputationen
  9 Pat. mit Zehenamputationen
Weitere geplante Amputationen: bei 6 Pat. Unterschenkel
Behandlungsdauer vorher: durchschnittlich 300 Tage (0-1095)
Davon stationär: durchschnittlich 74 Tage (0-270)
Behandlungsergebnis: keine Wundheilung
Behandlungskosten geschätzt: 
Durchnittlich ambulant: 226 Tage x 50     DM= 11.300,-
Durchschnittlich stationär:  74 Tage x 500    DM= 37.000,-
Durchschnitlich gesamt:                         DM= 48.300,-
 
Behandlung durch Dr. Zemlin mit LIGASANO®
Behandlungsdauer: durchschnittlich 90 Tage (18-450)
Davon stationär: 0 Tage
durchgeführte/erforderliche Amputationen: 0
Behandlungsergebnis: Wundheilung
Behandlungskosten geschätzt: 
Durchnittlich ambulant:  90 Tage x 50     DM=  4.500,-
Durchschnittlich stationär:   0 Tage x 500    DM=  0.000,-
Durchschnitlich gesamt:                        DM=  4.500,-

 
Die Ergebnisse (Tab.) sprechen für sich. Angaben über den Arbeitsausfall erübrigten sich, da alle Patienten bereits berentet oder invalidisiert waren.

LIGASANO®-Polyesterschaumstoff setzte ich bereits seit 1994 bei der Wundbehandlung ein. Vorgestellt wurde mir das Material erstmals von Herrn Rettig, einem Krankenpfleger  und passionierten Wundtherapeuten aus Lüchow-Dannenberg. Nach und nach lernte ich die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von LIGASANO® kennen und schätzen.  Es hat hervorragende Eigenschaften als Polstermaterial über Regionen mit hoher Druckbelastung (Fersen, Fussränder, plantar bei Malum perforans, interdigital, Zehenkuppen)  und ist zum anderen sehr hilfreich bei der sanften Wundreinigung (soft debridement): Dabei wird LIGASANO® mit Ringerlösung getränkt und die Wunde gesäubert.  Wegen des hohen Reibungswiderstandes von LIGASANO® werden nekrotische Beläge und Zelldetritus schonend von der Wunde entfernt. Das oft noch in der Literatur empfohlene Debridement mit steriler Zahnbürste (wo sollen die vielen sterilen Zahnbürsten herkommen?) ist damit entbehrlich.

Als Primärwundverband setzen wir LIGASANO® seit etwa zwei Jahren ein und waren überrascht von seiner sekretions- und granulationsfördernden Wirkung! Dass gerade bei tiefen Wunden LIGASANO® offentsichtlich Alginaten und Hydrokolloiden überlegen ist, liegt v.a. an seiner zusätzlichen Saugwirkung (Pat. Nr. 10 und 13).

Für die Anwendung von LIGASANO® bei tiefen Wunden schneiden wir das Material in verschiedenen Größen zurecht und schweißen es ein. Die anschließend dampfsterilisierten Streifen werden für die häusliche Wundbehandlung ausgegeben. Wenn der Verbandswechsel nicht von den Pflegediensten, sondern vom Patienten oder Angehörigen durchgeführt wird, verordnen wir sterile Einmalpinzetten.
Schließlich verwenden wir LIGASANO® auch als Sekundärwundverband zur Polsterung über jedem Wundverband, sozusagen als oberste Schicht, da für die Wundreinigung auch ein sanfter Drainagedruck und Wärme nötig sind. Für diesen Zweck sind LIGASANO®-Polsterbinden hervorragend geeignet.

Neben den angeführten vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von LIGASANO® sind die vergleichsweise geringen Kosten des Materials (vgl. Tabelle) ein weiterer großer Vorteil! Aus diesem Grund gehört LIGASANO® zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Verbandsmittel unserer Fussambulanz.

Studie Pat. 10, 07.10.1999

Studie Pat. 10, Zwischenkontrolle

Studie Pat. 10, 23.12.1999

 
 

 

Studie Pat. 11, 14.12.1998

Studie Pat. 11, Zwischenkontrolle

Studie Pat. 11, nach 36 Tagen